"Feuer, Fluten, Hagelwetter" von Thomas Adam

Feuer, Fluten, Hagelwetter - Naturkatastrophen in Baden-Württemberg, von Thomas Adam, Konrad Theis, 24,95 €

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Rezension von Andrea Oestreich
(erschienen in DMG-Mitteilungen 02/2016 - Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Redaktion)

Thomas Adam, Abteilungsleiter Kultur im Hauptamt Bruchsal hat die „Geschichte der Naturkatastrophen" vorgelegt. Anders als der Untertitel suggeriert, ist diese aber nicht eine schlichte Chronik, sondern es geht in diesem Buch darum, wie die Menschen - individuell und als Gesellschaft – mit zerstörerischen Naturereignissen im Lauf der Zeit umgegangen sind. Dabei kommt er ohne Voyeurismus aus – und kann vor allen Dingen Katastrophen, die eine ganze Region betreffen, von persönlichen Katastrophen (so schlimm sie für die Betroffenen gewesen sind!) unterscheiden. Gleich in der Einführung erfolgt schon eine entsprechende Begriffsklärung. In dem Buch wird ganze Bandbreite von Naturgewalten behandelt: Blitzeinschlag, Hagelschlag, Dürre, Überschwemmungen, Erdrutsche, Lawinen, Erdbeben, Meteoriteneinschläge, aber auch Stadtbrände. Wie wurden die Phänomene nun erklärt bzw. gedeutet? Welche Änderungen gab es im Lauf der Zeit? Warum hat sich die Deutung verschiedener Phänomene geändert? Unter welchen Umständen erfolgte der Übergang von der passiven Hinnahme zur aktiven Vorsorge?

In den einzelnen, chronologisch angeordneten Kapiteln geht der Autor diesen Fragen ausführlich nach. Im ersten Kapitel (Überlieferung in Schlick und Schrift – von der Prähistorie zum Hochmittelalter) weist er darauf hin, wie alte schriftliche Quellen überhaupt zu lesen und zu interpretieren sind. In einer Anekdote erzählt er, wie ein ansonsten verdienter Heimatforscher spätantike Ruinen findet, von ihrem Zustand auf eine gewaltige Flutwelle des Neckars schließt und als Ursache ein Seebeben bei Kreta ausmacht - nur weil in spätantiken römischen Quellen von Auswirkungen im gesamten Erdkreis die Rede war.

Die weiteren Hauptkapitel sind: Die Katastrophen des Spätmittelalters (hier werden auch die Stadtbrände behandelt); Die unterkühlte Frühmoderne; Die ungleichzeitige Aufklärung (oder auch Aberglaube gegen Vernunft); Das 19. Jahrhundert jenseits der Romantik (mit der Frage, was mit  Vorsorgeund Vorwarnung vielleicht hätte verhindert werden können) sowie Wie extrem war das 20. Jahrhundert? Zum Abschluss gibt der Autor einen kleinen Ausblick über den Umgang mit Naturkatastrophen auf das 21. Jahrhundert. Thomas Adam schreibt mit einer gewissen Faszination über Gewitter, Schlammlawinen, Erdbeben und deren Folgen, aber die einzelnen Naturphänomene werden nur soweit erklärt, wie es für das Verständnis des Geschehens wichtig ist. Adam bringt lieber in jedem Kapitel der modernen Leserschaft ausführlich die Geisteshaltung der jeweiligen Epoche nahe - denn nur so lässt sich der Umgang mit den diversen Unglücken und Katastrophen überhaupt verstehen. Vieles kann auch auf andere Regionen außerhalb Baden-Württembergs übertragen werden. In dem Buch finden sich viele Details und doch ist es gut und spannend geschrieben. Einige Abbildungen, ein Ortsregister und ein nach Themen sortiertes Literaturverzeichnis runden das gut gelungene Werk ab.

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