"Essen und Wetter" von Karin Becker, V. Mariniaux, M. Tabeaud

Essen und Wetter von Karin Becker, V. Mariniaux, M. Tabeaud, Editions Hermann, 448 Seiten, 35,00 €

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Rezension von Birger Tinz
(erschienen in DMG-Mitteilungen 02/2016 - Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Redaktion)

Im dreisprachigen Buch „Essen und Wetter“ werden unterschiedliche Facetten des Zusammenhanges zwischen (Extrem-) Wetter (bzw. Klima) und der menschlichen  Ernährung beleuchtet. Illustriert wird dieses Zusammenspiel bereits durch das Titelbild, ein Gemälde aus dem 19. Jahrhundert, auf dem eine Bäuerin unter einem wolkenverhangenen Himmel bei der Kartoffelernte zu sehen ist. Das Buch selbst enthält eine ganze Reihe von Fotos, Zeichnungen, Diagrammen, Tabellen und Landkarten unterschiedlichsten Inhalts.

„Essen und Wetter“ entstand im Nachklang einer internationalen Tagung, die an der Sorbonne und am Goethe-Institut in Paris im Jahr 2014 durchgeführt wurde. Das Buch besteht aus drei Abschnitten, in denen insgesamt 26 französisch-, englisch- und deutschsprachige Beiträge enthalten sind.

Im ersten Abschnitt „Approches physiologiques: Le corps entre l’alimentation et le temps qu’il fait“ werden z.B. die Darstellung der Natur in Kochbüchern (Henry Notaker) oder Rilkes schwedische Gedichte (Urs Büttner) behandelt. Der Bogen spannt sich weiter bis Richard Galliano-Valdiserra, der über den Rückzug der italienischen Elitetruppe „Alpini“ an der russischen Front im Januar 1943 mit Fokus auf das Thema (unzureichende) Ernährung berichtet.

Die sieben Beiträge im Abschnitt „Approches météorologiques de l'alimentation: du météore à la saison″ behandeln sehr unterschiedliche Themen aus verschiedenen Jahrhunderten und verschiedenen Gebieten der Welt. Dazu gehört der Beitrag der Vorsitzenden des Fachausschusses „Geschichte der Meteorologie“ der DMG, Dr. Cornelia Lüdecke mit dem Titel „Pinguinragout und Robbensteak – Leben und Überleben während der heroischen Ära der Antarktisforschung (1897- 1916)“. Dort erfährt man, dass die Nahrung für die Expeditionen getrocknet, gesalzen oder eingedost mitgeführt wurde. Zusätzlich wurden, wie es der Titel verrät, örtliche Ressourcen verwendet, teilweise als willkommene Ergänzung zu den mitgeführten Lebensmitteln, teilweise auch als Ersatz für verloren gegangene oder verdorbene Vorräte.

Der letzte Abschnitt „Approches alimentaires des phénomènes météorologiques: de l'aliment au repas“ beschäftigt sich mit dem Klima und seinem jahreszeitlichen Verlauf und der sich daraus ergebenen Verfügbarkeit von Speisen. Der Fokus liegt dabei auf Frankreich. Ein Beispiel ist der Beitrag „Saisonale Rezepte und Kochbücher um die Jahrhundertwende“ von Sabine Merta. Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts war, anders als heute, der Speiseplan stark von der Verfügbarkeit regionaler Lebensmittel geprägt. Im Winter dominierten haltbare Gemüse- oder Getreidearten, im Frühjahr kam Frischgemüse auf den Tisch, im Sommer standen Kaltschalen oder Früchtekompott auf dem Speisezettel, während im Herbst Fleischgerichte oder warme Getränke gereicht wurden.

Sehr hilfreich für die Leserin/den Leser, die/der sich nur einen Überblick über einen Beitrag schaffen möchte oder nicht alle drei Sprachen  beherrscht, sind die Zusammenfassungen aller Artikel in allen drei Sprachen. Das Buch sei allen empfohlen, die sich mit den sehr unterschiedlichen Berührungspunkten von „Essen und Wetter“ beschäftigen möchten.

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