"Der Meteorologe" von Oliver Rolin

Der Meteorologe von Oliver Rolin

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Rezension von Manfred Kurz
(erschienen in DMG-Mitteilungen 02/2016 - Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Redaktion)

Eines vorweg: Das ist kein Fachbuch und auch keine fachbezogene Biografie. Es handelt vielmehr vom Leben und Sterben des russischen Meteorologen Alexei  Wangenheim in der Sowjetunion während der Stalinzeit. Obwohl adeliger Herkunft, wurde er 1929 erster Direktor des Vereinigten Hydro-Meteorologischen Dienstes der Sowjetunion. Wenige Jahre später wird er denunziert, verhaftet und der Sabotage und Spionage angeklagt. Hauptvorwurf ist die Verbreitung absichtlich gefälschter Wetterprognosen zum Schaden der damals wegen der Zwangskollektivierung am Boden liegenden Landwirtschaft. Ein anderer, besonders abstruser Vorwurf ist, dass er sich für die Einführung der  Polarfronttheorie zur Zyklonenentwicklung in den Dienst stark gemacht und bei den relevanten Veröffentlichungen keinen Hinweis auf die Werke Lenins (!) gegeben hatte. Das war zu dieser Zeit ein Vorwurf, der genügte, um einen zum Klassenfeind abzustempeln. Es folgen Verurteilung, Lagerhaft und schließlich die Liquidierung.

Das Buch, von einem französischen Linksintellektuellen mit sehr intensiver Sprache geschrieben, enthält auch Zeichnungen von Pflanzen und Tieren, die Wangenheim in seinen Briefen aus dem Lager seiner Tochter geschickt hat. Sie sind das zu Herzen gehende Dokument eines Menschseins in der Sowjetunion, das in der stalinistischen Diktatur keine Chance zum Überleben hatte.

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