"Die Klimafalle" von Hans v. Storch und Werner Krauß

"Die Klimafalle -Die gefährliche Nähe von Politik und Klimaforschung" von Hans v. Storch und Werner Krauß, Hanser, 2013, 248 Seiten, € 19,90

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Rezension von Heinz Wanner
(erschienen in DMG-Mitteilungen 02/2013 - Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Redaktion)

Auch wer mit der Argumentation des Buches nicht voll einverstanden ist, wird „Die Klimafalle“ von Hans von Storch und Werner Krauss mit grossem Interesse lesen. Hans von Storch darf für sich in Anspruch nehmen, dass er sich in der Klimadebatte schon viele Jahre für mehr Ganzheitlichkeit und Gelassenheit, aber auch für einen  gleichwertigen Einbezug der Sozial- und Kulturwissenschaften ins Zeug legt. Werner Krauss kommt das Verdienst zu, dieser geforderten „zweiten Sicht“ inhaltliches Leben eingehaucht zu haben. Die beiden Autoren geizen gewiss nicht damit, ihre persönlichen Errungenschaften und Erkenntnisse einzubringen, aber sie haben dazu immerhin handfeste Gründe. Von Storch und Krauss sehen sich als Beteiligte und Beobachter verschiedener Lagerfeuer, an denen Klimawissenschaft diskutiert wird. So wie wir in Bern in den 70er Jahren den Kreis um Hans Oeschger als Nukleus früher Klimadebatten und Forschungsarbeiten erlebten, weisen die Autoren auf die frühen und bahnbrechenden Erkenntnisse aus dem Hamburger Max-Planck-Institut um Klaus Hasselmann hin. An diesen beiden Orten wurde experimentell und theoretisch sehr früh nachgewiesen, dass die Emission von Treibhausgasen entscheidend zur globalen Erwärmung beiträgt. So weit, so gut.

Unter dem Titel „Klima goes Hollywood“ wird anschließend die Hypothese aufgestellt, dass der Klimawandel via den Weltklimarat IPCC und dessen Hockeyschlägersymbol, über die Weltklimakonferenzen und deren 2-Grad- Marke, sowie durch die Verleihung des Friedensnobelpreises zunehmend in die sogenannte Klimafalle geraten ist. Damit meinen die Autoren, dass sich die  Klimaforscher vermehrt als rein naturwissenschaftliche Experten gesehen haben, welche ihre Rezepte der Politik sozusagen gekocht angerichtet haben. Zusammen mit Übertreibungen derMedien und von Klimaschützern hat dies größere Gruppen von Skeptikern auf den Plan gerufen, welche mit oft unsachlichen Argumenten den Widerstand gegen sinnvolle Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels geschürt haben.

Leserinnen und Leser des Buches mögen gewisse Formulierungen als etwas überspitzt bezeichnen. Eines kann man den Autoren jedoch nicht vorwerfen: Dass sie die Klimadebatte nicht ernst nehmen und dass sie nicht nach Lösungen suchen. Ich bin persönlich überzeugt, dass die gesellschaftliche Komponente im Sinn des Buches höher gewichtet und dass die Bedeutung strenger naturwissenschaftlicher Kriterien unaufgeregter kommuniziert werden muss. Am großen menschgemachten Anteil des Klimawandels und am Sinn einer Reduktion der Treibhausgase kann aufgrund der breiten wissenschaftlichen Ergebnisse nicht mehr gezweifelt werden. Das Buch fordert jedoch eine ganzheitlichere Behandlung des Problems Klimawandel. Die beiden Autoren legen am Beispiel des Wattenmeerprojektes in Nordfriesland dar, dass die große gesellschaftliche Überzeugungsarbeit am Objekt, in der Region und im Kontakt mit Bürgerinnen und Bürgern, also sozusagen „an der regionalen Front“ geleistet werden muss, wenn wir bei der Bekämpfung des Klimawandels Erfolge verbuchen wollen. Als Mitglied des Weltklimarates IPCC habe ichim Januar in Hobart (Tasmanien) die Debatten zum 5. IPCC-Wissenstandsbericht miterlebt. Diese wurden unaufgeregt, sachlich, aber oft auch kontrovers geführt. Der Hockeyschläger hat vielleicht einige Krümmungen erfahren, aber seine generelle Form wird er behalten. Die 2-Grad-Marke hat nicht zum Durchbruch geführt, aber sie hat viel zum gescheiten Nachdenken angeregt. Wenn wir durch dieses Buch angeregt worden sind, uns vermehrt lokal und regional mit Bürgerinnen und Bürgern am Lagerfeuer zusammenzufinden, um nach Lösungen zu suchen, welche neben der Verhinderung von Treibhausgasemissionen möglicherweise auch gezielte Anpassungsmaßnahmen vorschlagen, hat sich seine Lektüre bestimmt gelohnt.

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